Das Leben der Mode-Ikone Coco Chanel wurde erst im letzten Jahr von Anne Fontaine verfilmt und so ist es ein wenig verwunderlich, dass Frau Chanel 2010 erneut auf der Leinwand verkörpert wird. Diesmal allerdings nicht von der rehäugigen Audrey Tautou, sondern von Anna Mouglalis. Regisseur Jan Kounen beleuchtet in seinem Film dabei weniger den Werdegang der Designerin als vielmehr die verhängnisvolle Affäre zwischen ihr und dem russischen Komponisten Igor Stravinsky, gespielt von Mads Mikkelsen.
Der Film beginnt im Jahre 1913 mit der Uraufführung von Igor Stravinskys “Le Sacre du Printemps”, zu dessen Zuschauern auch Coco Chanel zählt. Der ausgefallene Stil des Komponisten trifft allerdings nicht den Nerv der Zeit und bereits nach wenigen Minuten verlassen schockierte, gut betuchte Besucher den Saal. Coco Chanel dagegen ist von dem Künstler fasziniert und als die beiden sich sieben Jahren später wieder begegnen, fühlt sie sich sofort zu ihm hingezogen. Stravinsky ist inzwischen allerdings mittellos und seine Frau erkrankt. Coco Chanel lädt ihn und seine Familie deshalb kurzerhand auf ihr Anwesen ein, wo sich die beiden schon bald näher kommen.
Eigentlich eine reizvolle Story, die viel Potential enthält. Allerdings stehen weder das Leben der Coco Chanel noch des Igor Stravinsky jemals wirklich im Mittelpunkt. Kounen stilisiert immer wieder das erotische Machtspiel zwischen den beiden Hauptcharakteren und verliert sich in oberflächlichen, fast schon unterkühlten Szenen, die den starken Auftakt des Films vergessen machen. Besonders für die leibhaftige Coco Chanel dürfte ihre Darstellung auf der Leinwand wenig schmeichelhaft sein, wird sie doch größtenteils als arrogant und gefühlskalt präsentiert. Einzig die prachtvolle Garderobe und die Innenausstattung des Filmsets sind sehenswert. Anna Mouglalis trägt Originalkleider und –Accessoires und selbst der große Karl Lagerfeld hat eigens für den Film ein Kleid entworfen.
Fazit: Coco Chanel & Igor Stravinsky ist ein Film, der durchaus unterhaltsam ist und mit exzellenten Kostümen sowie hervorragenden Schauspielern zu begeistern weiß. Leider zeigt er aber viel zu wenig Facetten der beiden Persönlichkeiten Chanel und Stravinsky, denn die Affäre ist so vordergründig, dass kein Raum für tiefergehende Betrachtungen bleibt und das Werk von Jan Kounen der eigentlich schillernden Coco Chanel völlig ihren Glanz nimmt.